7/10/2013

Fracking?!

Gestern Abend blieb ich auf dem Sender arte hängen. Was mich dort fesselte? 
Ein Amerikaner der das Wasser, welches aus seinem Wasserhahn lief, anzünden konnte?!
Wasser das brennt? Interessant. Es stellte sich herraus, dass es sich um eine Produktion aus dem Jahre 2010 handelte, ein dokumentarischer Roadmovie von John Fox. Gasland

Die Thematik, die in diesem Film behandelt wird heißt Fracking.
Es ist eine spezielle Art und Weise nach Erdgas zu bohren und dies zu fördern. Im Mittelpunkt der Kritik steht das bohren nach Schiefergas. Ganz schlicht erklärt wird hierbei, wie bei einer normalen Bohrung nach Erdgasen, ein Bohrturm aufgestellt. Mit diesem wird vorerst senkrecht in 1.000 bis 25.000 Meter Tiefe gebohrt. Ist die Tiefe erreicht, in der sich das gesuchte Gestein Schiefer befindet, wird horizontal gebohrt. Nun wird mit einem hohen Druck Flüssigkeit durchgepresst, dieser Druck bildet Risse in das Gestein und setzt die Gase frei, die sich dort befinden. 


Fracking Chemikalien und Risiken
Die Flüssikgeit, mit die der Druck im Schiefergestein erzeugt wird, enthält viele Chemikalien. Leider ist die Liste aller Inhaltstoffe weitesgehend unveröffentlicht. Bekannt ist dennoch, dass beim Fracking chemische Stütztmittel, Biozide, Kettenbrecher, Reibungsminderer und Tenside verwendet werden, die gefährlich für die Gesundheit betroffener Lebewesen und das Wasser sind. Die ein oder andere Chemikalie steht ebenfalls im starken Verdacht krebserregend zu wirken. Unabhängige Studien haben ergeben, dass von 60 Stoffen, die in der Frackingflüssigkeit enthalten sind ca. 50% toxisch und gefährlich sind. Einen weiteren Teil der Stoffe konnte man weder identifizieren noch bewerten. Soll heißen, beim Fracking wird mit Stoffen gearbeitet, von denen wir nicht mal wissen, ob sie uns schaden könnten oder nicht!

Während der Dreharbeiten zu Gasland trifft John Fox auf der Reise durch die Vereinigten Staaten auf viele Opfer von Fracking Bohrungen. In der unmittelbaren Umgebung ihres Gründstückes wurde nach dem Schiefergas gebohrt. Denn es ist Bohrfirmen gestattet in einem Abstand von mindestens 200 Metern zu einem bewohnten Grundstück zu bohren. Die Betroffenen verweisen immer wieder auf die gleichen seltsamen Vorkommen: Gas und Verschmutzung durch Chemikalien  in ihrem Trinkwasser! Den Leuten viel zu erst auf, dass das Trinkwasser aus ihren Brunnen und Wasserhähnen blubberte. Einige Leute probierten das bubbernde Wasser zu entzünden - mit Erfolg. Hier ein kleiner Ausschnitt aus der Doku, indem man einen Betroffenen sieht, wie er sein Trinkwasser entzündet:


Die zuständigen Bohrfirmen sind immer wieder der Meinung, dass es, obwohl die Vorfälle ganz zufällig  mit dem Beginn von Bohrungen zusammen fallen, nichts mit ihren Bohrungen zu tun hat. Doch während und auch nach den Borharbeiten steigt Methan durch die Gesteinsschichten auf und wird frei gesetzt. Dabei durchdringt das Gas ggf. auch die Grundwasserschichten. Tada - entflammbares Wasser. 
Viele Betroffene in den USA wurden durch Schweige-Veträge, wie der Name schon sagt ein zum Schwiegen verpflichtender Vertrag, und Geldern dazu gebracht nicht an die Öffentlichkeit zu treten. 

Doch von Experten wird mittlerweile behauptet, dass beim Fracking die berüchtigten brennenden Wasserhähne eher ein unüblicher Unfall als die Regel seien. Allerdings wurde gleichzeitig erkundet, dass währemd dem Fracking auf zwei Wegen Chemikalien in das Grundwasser gelangen kann. Ein Weg wäre zB. wenn natürliche Risse in der Barriereschicht, die zwischen Schiefergas und Grundwasser besteht, entstehen und dort Frackingflüssigkeiten und Gase in unser Trinkwasser gelangen. Eine weitere Möglichkeit ist, dass durch die Bohrung selbt am Bohrer die Flüssigkeiten und Gase nach oben in die Grundwasserschicht getragen werden könnte.

Flowback
Ein weiteres Problem ist das sogenannte Flowback, das bezeichnet die Frackingflüssigkeit, die während dem Fördern des Gases wieder an die Oberfläche gelangen. Denn während der Förderung wird ein Gemisch aus Sand und Flüssigkeit nach unten gepumpt, der Sand bleibt dort um die Risse geöffnet zu halten, aber die Flüssigkeit kommt wird unumgänglich wieder nach oben befördert. 
In den USA gibt es bisher von Region zu Region unterschiedliche Methoden die Abwässer zu entsorgen. Eine Möglichkeit, die auch in Gasland zu sehen ist, ist das Aufbewahren der Abwässer in ausgehobenen Becken. Dort wird es mit Sprinkleranlagen hochgespritzt um von der Sonne verdunstet zu werden. Leider werden dabei auch viele Gase und Giftstoffe in die Umgebung gebracht. Weitere Maßnahme ist es, die Abwässer in umgebaute Bohrlöcher zu verpressen. Allerdings sind die weiteren Auswirkungen und die Sicherheit dieser Methode auf Dauer noch nicht erforscht. 
In Pennsylvania gibt es eine von wenigen Kläranlagen, die sich darauf ausrichten solch chemisch verschmutze Abwässer wieder einigermaßen aufzubereiten. Normale Kläranlagen sind dazu nicht in der Lage. Doch hier darf das Wasser nur bis zu einem bestimmten Grad verschmutzt sein, denn sonst können auch die Kläranlagen diese nicht mehr annehmen. Wo diese abgewiesenen Abwässer verbleiben, ist unklar.

Möglichkeiten
Auf der anderen Seite sollte man sehen, dass es dort in 1.000 Meter und mehr Tiefe eine Energiequelle gibt. Doch der Weg dahin, ist das Problem. In Europa sind die Einschätzungen von Land zu Land unterschiedlich. Frankreich verhing 2011 ein Verbot gegen Fracking, Deutschland arbeitet an einem Gesetzt, dass die Rahmenbedinungen klären soll und Polen ist begeistert von den Möglichkeiten.
Dennoch zeigt sich, dass die Umstände in Deutschland und der Aufwand, sich für die wirtschaftliche Lage nicht lohnen würden. Aktuell fördert Deutschland ~14% des eigenen Gasbedarf. Durch Fracking würde sich dieser Wert aber nicht steigern lassen, da es weder ausreichend Vorkommen noch genug Platz gäbe um diese zu fördern.

Politischer Standpunkt
In unserer Politik gibt es ebenfalls unterschiedliche Meinung zum weiteren Umgang mit Fracking. Während sich Die Piratenpartei und Die Linken öffentlich gegen Fracking aussprechen, stehen CDU/CSU und FDP  ihm weiterhin euphorisch gegenüber. Es soll ihrer Meinung nach noch weitere Forschungen und Proben an der Fracking Methode geben. Die Grünen haben zwar einen öffentlichen Standpunkt, indem sie sich gegen Fracking aussprechen, doch sind sie in den Verhandlungen der SPD zugeneigt, die wenigstens strengere Rahmenbedingungen für das Fracking fordert und die Risiken anerkennt. 


Aber warum erst Probebohrungen durchführen, wenn es doch so Sinn frei für uns scheint?

Es gäbe noch so viel zu diesem Thema zu sagen, doch ich hoffe mit diesen kleinen Anrissen das Interesse geweckt zu haben! Denn dies ist ein aktuelles Thema in Deutschland und meiner Meinung nach sollte man das Fracking nach Schiefergasen auch bei uns verbieten.

Was denkt ihr? 



Quellen
arte 
taz 

Unter den folgenden Links findet ihr Petitionen zum online unterzeichnen gegen das Fracking in Deutschland.



Kommentare: